Kannibalismus

oder was die Schnecke denkt

 
 

Die Geschichte einer Rebellion. Die Geschichte einer Flucht. Die Geschichte einer Suche nach einer neuen Form der Koexistenz, eines Versuchs der Selbstrevolution und ihres Scheiterns.

Wie bei der täglichen Sichtung der Meldungen, der News und Posts, also beim nervösen Taxieren dessen, was wir als das Aktuelle annehmen, sieht man sich in dem Stück „Kannibalismus oder was die Schnecke denkt“ Themen und Symbolen der Ist-Gesellschaft ausgesetzt, die in ihrem offensichtlichen Hang zur Flexibilität und Schnelligkeit seltsam blass und starr anmuten. Zwar hat sich die Zeit verdichtet und die elektronischen Prothesen potenzieren das Gewusste. Doch die Momente der Kontemplation und der Verinnerlichung sind auf diesem Weg verloren gegangen und machen so doch wieder den alten Mustern und Verhaltensweisen Platz. Medialer Overkill und archaischer Ritus gehen hier Hand in Hand, machen das Stück zum Vexierspiegel gesellschaftlicher Realitäten.


Nachdem vier Menschen – ausgehend von einer Demonstration – die Flucht aus den bestehenden Systemzwängen geglückt ist, löst sich mit ihren Fesseln auch ihre Passivität. Bei dem Versuch, die neu gewonnenen Freiräume mit Leben zu füllen, sie im Sinne einer anderen Form der Demos zu gestalten, scheitern sie jedoch an sich selbst, an ihrer überwunden geglaubten Dressur. Unaufhaltsam geraten sie hinein in den Bann des Aberglaubens und der Zerstörung. Geister werden gerufen und Opfer gebracht. Und ehe sie sich versehen, bricht das fragile Gesellschaftsgebäude wieder zusammen. Die Revolution frisst ihre Kinder – immer noch.

Idee: Daniel Drabek

Regie/Choreografie/Performance: Eliane Krauer, Erol Alexandrov, Nabil Cherkit,

Alexander Spree, Thomas Jacoby, Daniel Drabek

eine Produktion der elektroschuhe / mit freundlicher Unterstützung von Dock11 Berlin

HAU 1 100 Grad 2012, HAU3 Best off 100 Grad 2012